Allgemein
Bei der biodynamischen Craniosacral Therapie steht nicht allein die Behandlung von Symptomen im Zentrum, sondern die Orientierung an der innewohnenden Gesundheit des Menschen. Das heisst die natürlichen Ressourcen, Selbstregulierungskräften und das systemische Gleichgewicht eines Organismus stehen im Vordergrund.
verschiedene Wirkungsbereiche
Flüssigkeitsregulation und Gesamtgleichgewicht der Physiologie
Ein zentrales Wirkfeld der craniosacralen Biodynamik ist die Regulation der Körperflüssigkeiten. Wasser ist das dominierende Medium des menschlichen Organismus und bildet die Grundlage für Stoffwechsel, Zellkommunikation und Gewebespannung. Besonders das Zusammenspiel von Liquor cerebrospinalis, Flüssigkeiten in den Zellzwischenräumen, wie auch Blut- und Lymphsystem sind wichtig für das Gesamtgleichgewicht der Physiologie.
In der biodynamischen Arbeit wird dieses Flüssigkeitssystem nicht mechanisch beeinflusst, sondern in seiner eigenen Organisationsintelligenz wahrgenommen.
Veränderungen in Rhythmus, Qualität oder Kohärenz der Flüssigkeitsbewegungen spiegeln oft Belastungen, Anpassungsprozesse oder Regenerationspotenziale wider. Durch eine präzise, zurückhaltende therapeutische Präsenz kann sich die Fähigkeit der Selbstregulation des Systems vertiefen. Dies kann sich auf Atmung, Kreislauf, Gewebstonus und allgemeine Vitalität auswirken.
Wirkung auf das vegetative Nervensystem
Die craniosacrale Biodynamik arbeitet in enger Beziehung zum vegetativen (autonomen) Nervensystem, das grundlegende Funktionen wie Stressregulation, Schlaf-Wach-Rhythmus, Verdauung und Immunantwort steuert. Viele Beschwerden stehen weniger mit strukturellen Defiziten als mit einer anhaltenden Dysbalance zwischen sympathischer Aktivierung und parasympathischer Regulation in Verbindung. Die biodynamische Herangehensweise bietet einen sicheren, reizarmen Raum, in dem das Nervensystem aus einem Zustand chronischer Alarmbereitschaft herausfinden kann. Dies ist der Start eines Lernprozesses, der zu einem neuen gesundheitlichen Zustand und Lebensgefühl führen kann.
Der Vagusnerv
Studien zur Berührungs- und Achtsamkeitsforschung deuten darauf hin, dass langsame, präsente Wahrnehmung parasympathische Prozesse begünstigt. In diesem Zusammenhang spielt auch der Vagusnerv als Teil des parasympathischen Regulationssystems eine vermittelnde Rolle, ohne dabei isoliert angesprochen oder gezielt stimuliert zu werden. Craniosacrale Biodynamik kann somit als regulierender Impuls für neurovegetative Stabilität verstanden werden, der den Gesamtorganismus einbezieht und so die Selbstorganisation des Nervensystems unterstützt.
Die Arbeit mit der „Tide“
Ein charakteristisches Element der craniosacralen Biodynamik ist die Orientierung an verschiedenen Ebenen rhythmischer Bewegung. Diese werden aus der Tradition der Entwicklungsgeschichte der Craniosacral Therapie als "Tides" beschrieben. Sie sind keine metaphorisches Konzept, sondern bezeichnen wahrnehmbare, geordnete Bewegungsphänomene im Flüssigkeits- und Gewebesystem. Sie zeigen sich auf unterschiedlichen Ebenen des Organismus.
Die sogenannte „Long Tide“ wird dabei als Ausdruck einer übergeordneten, ordnenden Kraft verstanden, die Entwicklung, Heilung und Integration unterstützt. Therapeutisch bedeutet die Arbeit mit der Tide ein Zurücktreten des willentlichen Eingreifens zugunsten eines feinen Begleitens und Zulassens. In diesem Prozess können sich alte Spannungsmuster reorganisieren, ohne dass sie aktiv „behandelt“ werden müssen. Die Tide fungiert dabei als Referenz für Stabilität und Orientierung im System und eröffnet einen Zugang zu tiefer liegenden Regulationsprozessen von Körper und Nervensystem.